Ängstliche Hunde fotografieren

Vorsichtige, ängstliche, unsichere Hunde – es gibt viele Gründe, wieso ein Hund Fremden gegenüber eher misstrauisch ist und auf Abstand geht. Gerade Hunde, die aus dem Tierschutz stammen, bringen oft eine gesunde Skepsis gegenüber allem Neuen mit. Auch meine Lisa war so ein Hund, als sie damals aus Spanien zu mir kam. Wer weiß, was sie dort alles erlebt hat – schlechte Erfahrungen hat sie dort auf jeden Fall gemacht.

Dieses Foto ist in den ersten Tagen entstanden, als sie zu mir kam. Man sieht ihr ihre Unsicherheit an, kein Vergleich dazu, wie sie heute ist. ❤

Zu mir hatte sie von der ersten Minute an Vertrauen – alle anderen wurden angeknurrt, und wenn ihr jemand dann trotzdem zu nahe kam, wurde auch geschnappt. Sie wollte einfach keinen außer mir an sich heranlassen. Anfangs war ich selbst noch unsicher, da sie mein erster Hund war und ich nicht recht wusste, wie ich mit ihrer Unsicherheit umgehen konnte. Doch recht schnell habe ich gelernt, was ich tun kann, damit sie sicherer wird – nicht zuletzt mit der Hilfe unserer Hundetrainerin, Irina Junges.

Ich habe vor allem eines gemacht: ihr Zeit gegeben. Und währenddessen habe ich allen, die mit Lisa in Kontakt treten wollten, gesagt: Bitte nicht ansprechen, nicht anfassen und auch nicht anschauen. Auch wenn sie schnuppern kommt, bitte trotzdem einfach ignorieren!

Die meisten Menschen haben dies akzeptiert, leider gab es auch einige, die das nicht akzeptieren wollten und sie trotzdem gestreichelt haben. Das hatte dann zur Folge, dass sie ab und an nach Menschen geschnappt hat (die Zähne benutzt hat sie dabei allerdings nie). Trotz des Unverständnisses einiger Menschen (und mit der Hilfe von vielen Leckerlies 😉 ) hat sie dann relativ schnell verstanden, dass Menschen doch ganz in Ordnung sind. Bei einigen ging das schneller, bei anderen (vor allem bei Männern und Kindern) dauerte es etwas länger. Inzwischen liebt sie alle Menschen und kann gar nicht genug gestreichelt werden.

Ich freue mich sehr über ihre tolle Entwicklung und bin auch ein wenig stolz darauf, was Lisa und ich gemeinsam geschafft haben. Und ich habe eines gelernt: Ängstliche Hunde brauchen vor allem eines – Zeit. Außerdem die Möglichkeit, von sich aus zu kommen. Diese Erkenntnis hilft mir auch beim Fotografieren.

Wenn ich einen Hund fotografieren möchte, der unsicher oder ängstlich ist, mache ich es genau wie bei Lisa: Ich gebe ihm oder ihr Zeit. Als Hilfe nehme ich oft meine Lisa mit, und natürlich auch Leckerchen – bei manchen Hunden funktioniert aber auch das nicht. 🙂

Manche Hunde machen einem unmissverständlich klar, was sie von der eigenen Anwesenheit halten – andere ziehen sich einfach nur zurück, und machen sich möglichst klein. Ich gehe dann gern mit den Besitzern und den Hunden ein Stück spazieren, am Liebsten in der für den Hund gewohnten Umgebung, weil er sich dort sicherer fühlt als in einer unbekannten Umgebung. Und dann mache ich es genau so, wie ich es bei Lisa anderen Menschen geraten habe: Nicht anschauen, nicht anfassen, nicht ansprechen. Bemerken die Hunde dann nach einiger Zeit, dass von mir keine Gefahr ausgeht, werden sie meist etwas offener und kommen auch mal schnuppern, wer ich eigentlich bin. Auch dann streichle ich sie aber nicht, sondern lasse sie einfach von sich aus kommen und auch wieder weiter weggehen, wenn sie möchten.

Und wenn sie dann etwas aufgetaut sind, verändert sich meist auch ihre Körpersprache – sie machen sich nicht mehr so klein und schnuppern auch mal am Wegesrand. Nun heißt es den richtigen Moment abpassen, wenn sie in einer schönen Position für ein Foto stehen. Ein kurzes Geräusch aus meiner Richtung kann helfen, damit mein tierisches Model in die Kamera schaut. Das entscheide ich aber je nach Situation, und warte ansonsten einfach ab, bis sie auch mal in meine Richtung schauen. So kann man auch von unsicheren Hunden tolle Fotos machen!

So ging es mir auch mit dieser kleinen Hündin, die damals erst kurz bei ihrem Frauchen war und aus schlechter Haltung kam. Nomi war sehr ängstlich und daher habe ich mich anfangs auf die anderen beiden Hunde, die mit beim Shooting waren, konzentriert. Als sie sich dann nach einer Weile auf einmal neben mich setzte, konnte es ihr Frauchen kaum glauben. Danach konnte ich auch von ihr noch schöne Fotos machen. 🙂

Ich mag diese zarten Seelchen, die einen mit sensiblem Blick anschauen. Wie schön ist es, zu beobachten, wenn sie anfangen aufzutauen und Vertrauen entsteht! ❤

 

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